Naturheilkundliche Rucksackapotheke für Familien & große Touren
Rückblick und Zusammenfassung des Vortrags vom 20.10.2011 für die DAV-Sektion Starnberg

 

Neben den Grundsätzen der Ersten Hilfe, Wundversorgung und Kenntnissen  über Bandagierung von Verrenkungen und Verstauchungen brauchen Wanderer und Bergsteiger ein speziell auf ihre Bedürfnisse ausgelegtes Erste-Hilfe-Päckchen. Diese Rucksackapotheke den Spezialfall eines Erst-Hilfe-Päckchens dar, erst recht wenn man sie naturheilkundlich bestücken möchte.

 

  Die Naturheilkunde bietet mit der Homöopathie ein hervorragendes Instrument, das auch vom medizinischen Laien nach verhältnismäßig kurzer Einweisung eingesetzt werden kann.

Homöopathische Heilmittel werden u.a. in Form von Globuli angeboten. Globuli sind klein, leicht und weitgehend witterungsbeständig, sofern sie nicht naß werden. Durch ihre Leichtigkeit können verschiedenste Mittel platzsparend im Erste-Hilfe-Päckchen untergebracht werden.  

Die Arnika - sie sollte in keiner Rucksackspotheke fehlen!

   

Grundsätzliches bei alpinen Notfällen.

 

  Bei allen alpinen Notfällen greift zunächst der 6-Stufen-Plan:

 

1. Selbstsicherung *

2. Bergung aus Gefahrenzone **

3. Lebensrettende Maßnahmen ***

4. Notruf ****

5. Erweiterte Erste Hilfe“ *****

6. Abtransport ******

 

* zur Selbstsicherung zählen grundlegende Maßnahmen wie das Beherrschen der Spaltenbergung, aber auch ganz einfache Maßnahmen wie sich selbst zunächst aus der Steinschlagzone in Sicherheit zu bringen

** beispielsweise mittels des Rautek-Rettungsgriffes

*** für Bergsteiger ist es unumgänglich, Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen

**** Notrufe werden generell nach dem W-Schema abgesetzt: Was ist passiert - Wann ist es passiert - Wo ist es passiert - Wie viele Verletzte - Welche Verletzungen -   Wer meldet - Warten auf Rückfragen (Wetter…);

Europaweiter Notruf 112, alpines Notsignal: 6 x / Minute (Antwort 3 x / Minute)

***** zur erweiterten Ersten Hilfe zählen Maßnahmen wie Wundversorgung, psych. Betreuung, adäquate Lagerung des Verletzten, Verbände, Schutz vor Witterung und Kälte

****** wenn von außen keine Hilfe möglich ist

 

Grundsätzliches zur Rucksackapotheke

 

1) Man kann nur das machen was man kann – entsprechend gehören nur solche Materialien in die Rucksackapotheke, mit denen man auch umgehen kann.

2) 1 x jährlich findet ein Generalcheck mit Kontrolle auf Beschädigungen und Verfallsdaten statt.

3) Verbrauchtes Material wird direkt nach der Tour ersetzt.

4) Die Rucksackapotheke muß wasserdicht sein.

5) Sehr hilfreich ist ein Handzettel, der neben grundsätzlichen Anweisungen zum Vorgehen in alpinen Notfällen auch die Kurzindikationen der Heilmittel auflistet. Infozettel für die Rucksackapotheke liegen in der Geschäftsstelle des DAV Starnberg aus.

 

 

Die Rucksackapotheke für Familien

 

  Pragmatischerweise enthält jede Outdoorapotheke eine entsprechend der Kinderzahl genügende Pflastermenge. Grundregel ist pro Kind ein großes Pflaster für Knieschürfungen und zwei schmälere Pflasterstreifen. Unverzichtlich ist ein handliches Wunddesinfektionsmittel. Hat man unterwegs keine Wunddesinfektion zur Hand, ist es essentiell, Alternativen aus der Natur zu kennen. Wundreinigend und blutstillend wirken Schafgarbe („Soldatenkraut“), großer Wiesenknopf, Wundklee, Braunelle oder Spitzwegerich.

 

  Offene Wunden werden immer von innen nach außen ausgewaschen, dabei leistet wenn möglich frisches Quellwasser die besten Dienste. Eine sofortige Wundreinigung ist auch der beste Schutz vor einer Infektion der Wunde.

Bei großflächigen Schürfwunden erfolgt der Wundverband mit Mullbinden. Nach der  Wundreinigung empfiehlt sich die Verwendung eines Verbandspäckchens 80 x 100 mm, nachdem die Wunde mit Blutwurzelpulver zur Blutstillung bestreut wurde. Mit einer selbstklebenden Bandage kann solch ein Verband gut fixiert werden. Auch für Druckverbände ist die Kombinationsmöglichkeit von Verbandspäckchen und selbstklebender Bandage wichtig.

Homöopathisch ist bei Verletzungen Arnica C30 angezeigt (10 Globuli, 3 x im Stundenabstand), insbesondere wenn der Patient die Verletzung herunterspielt oder nicht herzeigen will. Hat der (kleine) Patient ein ganz blasses Gesicht und zeigt Schocktendenzen, ist statt dessen Aconitum C30 zu geben.

 

  Besonders Kinder reagieren sehr empfindlich auf die Kombination mangelnde Höhenadaption mit übermäßiger Sonneneinwirkung. Ganz häufige Probleme im Sommer sind Folgen von Überhitzung bis zum Sonnenstich.

Neben einer schnellen Abkühlung des Patienten (Schatten, Rettungsdecke, Getränke) hilft hier Veratrum album C30. Auch bei Kreislaufkollaps mit Blässe und blauen Lippen ist Veratrum ein gut wirkendes Mittel.

 

  Insektenstiche hören um gehend auf zu jucken, wenn sie mit einem frischen Spitzwegerich behandelt werden. Mama oder Papa müssen die Blätter vor der Auflage aber unbedingt zerkauen, damit der Wirkstoff Aucubin freigesetzt werden kann. Schwillt ein Stich unkontrolliert an und gibt es Hinweise auf eine allergische Reaktion, hilft Apis C30.

 

  Sehr unangenehm für Kinder sind Augenreizungen durch Sonne und Wind. Hier bringen Euphrasia-Augentropfen Linderung.

 

  Um Verbände aller Art zu fixieren oder auch gerissene Kleidungsstücke notdürftig zu flicken, sollte sich immer 1 Sicherheitsnadel im Erste-Hilfe-Päckchen befinden. Darüber hinaus haben sich einfache Haargummis als hoch nützlich erwiesen -  nichts ist im Notfall störender als ins Gesicht hängende Haare. Auch für viele anderen Fixierungsprobleme können Haargummis verwendet werden.

Eine kleinst faltbare Rettungsdecke ist nicht nur zum Warmhalten Verletzter bzw. zum Kühlen überhitzter Personen einsetzbar, sie ist auch immer dann verwendbar, wenn man eine trockene, möglichst warme Sitz- oder Liegefläche braucht.

Bewährt hat sich ein mitgeführtes helles Kopftuch, das je nach Anforderung Sonnen- oder Kälteschutz, Verband oder in allergrößten Notfall auch Sammelbehälter für unverzichtbare, einzigartige Schneckenhäusel sein kann.

In den Gefrierbeutel kann mit Wasser getränktes Moos oder auch Schnee zur Kühlung bei Weichteileverletzungen eingefüllt werden.

 

 

Die Rucksackapotheke für große Touren

 

  Prinzipiell ist die Rucksackapotheke für Berg- und Hochtouren genauso ausgebaut, der Schwerpunkt liegt aber hier mehr auf der schnellen Erstversorgung ernster Verletzungen. Grundsätzlich sollte jeder Seilschafsangehörige ein eigenes Erste-Hilfe-Päckchen haben.

Neben einer optimierten Wundversorgung, auch mit entsprechenden Homöopathika, spielen hier diejenigen Mittel eine hervorgehobene Rolle, die die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte überbrücken oder sogar einen selbständigen Abstieg ermöglichen können.

 

  Zur Versorgung von Weichteileverletzungen und stark blutenden Wunden sind wiederum Arnica C30 und Aconitum C30 zu nennen. Handelt es sich um schwere Verwundungen mit Schock (→ Gesichtsblässe), ist Aconitum zu bevorzugen. Bei sehr schweren Unfällen („Ich sterbe!“) nicht nur für den / die Verunfallten, sondern auch für die Retter!

Aconitum in der Rucksackapotheke ist auch deshalb schon wichtig, weil damit die Folgen vor Unterkühlung und Durchnässung vorgebeugt werden können. Wer triefend naß auf einer Hütte ankommt, sollte nachdem er seine Sachen hoffentlich im Trockenraum unterbringen konnte, 1 x 10 Globuli Aconitum C30 einnehmen um Erkältung oder Blasenentzündung vorzubeugen und am nächsten Tag unbehelligt bei hoffentlich schönerem Wetter wieder auf Tour gehen zu können.

Bleibt nach Arnica / Aconitum die Furcht, kann der Verunfallte nicht aufhören zu schreien, ist das Mittel der Wahl Opium C200. Dies gilt auch, wenn ein Verunfallter trotz offensichtlich schwerster Verwundung keine Schmerzen spürt.

Ebenfalls in den Bereich schwerster Verletzungen gehört Hypericum C200. Es ist anzuwenden bei unerträglichen, übermäßigen Schmerzen, insbesondere bei Sturz auf Kopf- und Wirbelsäule und wenn Verletzte auf die geringste Bewegung von Armen und Beinen mit lauten Schmerzensschreien reagieren.

 

  Muskelkrämpfe infolge von Überlastung oder schmerzhafte Armluxuationen werden mit Cuprum C30 behandelt.

Um nach Verstauchungen, Zerrungen und Verrenkungen ohne fremde Hilfe doch noch den Abstieg zu bewältigen, haben sich Rhus tox. und Ruta als sehr hilfreich erwiesen. Rhus tox. ist ein eher linksseitig wirkendes Mittel, besonders wenn die betroffenen Gelenke erst unbeweglich sind und dann einen Ruheschmerz aufweisen. Ruta wird dagegen eher rechtsseitig, besonders wenn bei den Verletzungen auch die Knochenhaut betroffen ist, eingesetzt. Ein Hinweis auf Ruta ist es auch, wenn sich die Beschwerden im Liegen verschlimmern.

Eine schmerzstillende Wirkung hat oft Lärchen- oder Zirbenharz, weich gekaut und unter dem Verband direkt auf die Verletzung aufgebracht.

 

  Anfälle von Herzrasen nach Anstrengung kann Latrodectus C30 lindern, in Südtirol wird auf Bergtouren gerne ein Tee aus der Silberwurz getrunken um Herz-Kreislauf-Probleme zu vermeiden.

 

  Psychische Instabilität ist eines der großen Probleme großer Touren. Linderung von anfallsartiger Höhenangst bringt Argentum metallicum C30, leidet ein Bergkamerad unter einer extremen Windphobie wie sie in Extremsituationen nicht unhäufig auftritt, kann Rhododendron C30 Besserung bringen.

 

  Chamomilla Fieber- und Zahnungszäpfchen sind ursprünglich für Babys entwickelt, erkältungs- oder zahnwehgebeutelten Bergsteigern haben sie aber auch schon oft geholfen!

 

 

Packlisten

 

Familienwanderung

Berg- / Hochtour

1 Pflasterstreifen ~ 5 cm breit *

1 Pflasterstreifen ~ 5 cm breit

2 Pflasterstreifen ~ 2 cm breit *

2 Pflasterstreifen ~ 2 cm breit

1 ES-Kompressen 5 x 5 cm

2 ES-Kompressen 5 x 5 cm

1 Mullbinde 6 cm x 4 cm

2 Mullbinde 6 cm x 4 cm

1 Verbandspäckchen 5 x 5 cm *

1 Verbandspäckchen 5 x 5 cm

Selbstkl. Bandage 6 cm x 3 m

Selbstkl. Bandage 6 cm x 3 m

 

1 Blasenpflaster

Leukoplast

Leukoplast

Wunddesinfektion 10 ml

Wunddesinfektion 10 ml

2 Stck. Arnika-Wundtücher, WALA

2 Stck. Arnika-Wundtücher, WALA

Hände-Desinfektionstuch

Hände-Desinfektionstuch

2 Gummi-Handschuhe

2 Gummi-Handschuhe

Aconitum C200

Aconitum C200

Apis C200

Arnica C30

Arnica C30

Bellis C30

Veratrum C30

Carbo vegetabilis C30

3 Amp. Euphrasia-Augentropfen

Cuprum metallicum C30

Blutwurzelpulver

Hypericum C200

 

Latrodectus C30

 

Opium C200

 

Rhus tox. C30

 

Ruta C30

 

Veratrum C30

 

 

Fieber- & Zahnungszäpfchen, Weleda

Kopftuch

Kopftuch

Rettungsdecke

Rettungsdecke

Gefrierbeutel 2,5 l

Gefrierbeutel 2,5 l

Haargummi

Haargummis

Sicherheitsnadel

Sicherheitsnadel

Traubenzucker

Traubenzucker

Info-Blatt „Was ist zu tun“

Info-Blatt „Was ist zu tun“

 

 *  je Kind

 Weiterführende Literatur

 

· Bernett, P. / Götzfried, K.-P. / Zintl, F. .: Alpin- Lehrplan 08. Erste Hilfe. Bergrettung. Blv Buchverlag, 1985

· Gramminger, L.: Das gerettete Leben. Bergverlag Rother, 2007

· Mezger, J.: Gesichtete homöopathische Arzneimittellehre. Georg Thieme Verlag, 2007

· Schubert, P.: Schubert Sicherheit und Risiko in Fels und Eis, Band 1. Bergverlag Rother, 2003

· Treibel, W.: Erste Hilfe und Gesundheit am Berg und auf Reisen. Bergverlag Rother, 2006

 

 

Astrid Süßmuth, 

Heilpraktikerin und Familiengruppenleiterin


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